Freitag, 21. Oktober 2011

Grossinvestoren halten an PV fest

Investitionen in Erneuerbare Energien sind für institutionelle Investoren in den kommenden zwölf bis 24 Monaten genauso attraktiv wie Investments in Immobilien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Frontiers Management Consulting, die im Auftrag des Düsseldorfer Emissionshauses Voigt & Collegen durchgeführt wurde. An der Spitze steht die Photovoltaik (PV).

Befragt wurden insgesamt 343 institutionelle Investoren in Deutschland, darunter unter anderem Banken, Versorgungswerke, Pensionskassen und Corporates sowie Versicherungen, Kirchen und Stiftungen. Auf die Frage nach der Attraktivität in den kommenden ein bis zwei Jahren lagen die Assets Immobilien und Erneuerbare Energien mit jeweils über 35 Prozent auf den ersten Plätzen. Unter den regenerativen Energiequellen ist aus Investorensicht die Photovoltaik derzeit am attraktivsten. Rund 40 Prozent der Großanleger bewerten sie auf einer Skala von eins bis sechs mit eins oder zwei. Bei der Windenergie teilen rund 33 Prozent diese Sichtweise. Knapp dahinter liegen die Wasserkraft mit 28,6 Prozent und die Solarthermie mit 27,4 Prozent.

„Die Gruppe der Erneuerbaren Energien ist sehr heterogen. Während es sich bei der Wasserkraft um eine etablierte Methode der Energiegewinnung handelt, sind Windkraft, Photovoltaik oder Biomasse noch relativ junge Technologien“, sagt dazu Hermann Klughardt, Geschäftsführer von Voigt & Collegen. Dennoch gebe es eine Reihe von Gründen, die für alle Investments in Erneuerbare Energien gültig seien. „Die Investoren wünschen sich langfristig stabile Cashflows und hohe Einnahmesicherheit. Beides können die Erneuerbaren Energien bieten – vor allem durch die langfristig garantierten staatlichen Einspeisevergütungen“, so Klughardt.

Zwei Drittel der Investoren sprechen sich in der Umfrage grundsätzlich für Photovoltaik-Investments aus. Die höchste Affinität zur Solarenergie haben Pensionskassen und Kirchen mit jeweils 92,3 Prozent. Auch bei Versicherungen, Banken und Stiftungen ist der Anteil der potenziellen Photovoltaik-Investoren hoch. Bei Versicherungen sind es 84,6 Prozent, bei Banken 83,3 Prozent und bei Stiftungen 81,8 Prozent. Der Anteil der Investoren, die sich Photovoltaik überhaupt nicht in ihrem Portfolio vorstellen können, ist bei Vereinen mit 73,3 Prozent und Bausparkassen/Hypothekenbanken mit 66,7 Prozent am höchsten.

Alle institutionellen Investoren haben im Schnitt rund zweieinhalb Millionen Euro in Photovoltaikanlagen investiert. Allerdings existieren große Unterschiede zwischen den Investorengruppen. Die Versicherungen haben die Nase vorn. Ihr durchschnittlich in Photovoltaik angelegtes Kapital beträgt 12,2 Millionen Euro. Es folgen Stiftungen mit 6,4 Millionen Euro, Corporates mit 5,2 Millionen Euro und Pensionskassen mit 4,8 Millionen Euro. 44 Prozent der Investoren wünscht sich eine Haltedauer von über zehn Jahren. Rund ein Drittel bevorzugt eine mittlere Haltedauer zwischen fünf und zehn Jahren.

Der Gesamtdurchschnitt der angestrebten Rendite liegt bei 5,3 Prozent. Allerdings äußerten sich 45,8 Prozent zu dieser Frage nicht. Es fällt auf, dass die Stiftungen und Corporates, die bereits vergleichsweise stark in Photovoltaik investiert sind, relativ hohe Renditeerwartungen haben. Rund ein Fünftel der Befragten erwartet eine Rendite von weniger als vier Prozent. Bei Investitionen in einen Fonds, der in mehrere Erneuerbare Energien gleichzeitig investiert, setzen die Großanleger auf einen ausgewogenen Mix der sechs Energiequellen. Keine einzelne Art der Energiegewinnung dominiert: Die Photovoltaik hat mit rund einem Viertel das größte Gewicht. Alle anderen Anteile sind dennoch größer als zehn Prozent. Nach der Photovoltaik kommt die Windkraft mit einem 22prozentigen Anteil. Auf den Rängen drei und vier folgen die Wasserkraft mit 17 Prozent und die Solarthermie mit 14,8 Prozent.

Auf die Frage, in welchen Ländern Investitionen in Photovoltaikanlagen in den kommenden zwölf bis 24 Monaten interessant seien, belegt Deutschland mit 121 Nennungen den ersten Platz. Bei der Frage nach der Attraktivität einzelner Länder exklusive Deutschland schneiden vor allem die sonnenreichen südeuropäischen Staaten gut ab. Jeweils rund ein Viertel der institutionellen Investoren bewerten Spanien und Italien als attraktiv. Auf den Plätzen drei und vier befinden sich Portugal mit 15,7 Prozent und die USA mit 12,5 Prozent.

Quelle: Ecoreporter

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Donnerstag, 13. Oktober 2011

Milliarden verzockt

Er war der Gewinner der Finanzkrise: Hedgefonds-Manager John Paulson machte ein Vermögen, während andere alles verloren. Doch nun hat ihn das Glück verlassen. Der Spekulant hat Milliarden in den Sand gesetzt - und muss sich nicht nur gegen verärgerte Investoren verteidigen. Ein Lehrbeispiel über Spekulation.

John Paulsons (siehe Bild) Luxusvilla in New York hat eine gruselige Geschichte. Das Gemäuer an der Ostseite des Central Parks war 1916 für den Banker William Woodward erbaut worden. Dessen Sohn William Woodward Jr. erbte es nach dem Tod des Vaters 1953. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit der Familie: Kurz darauf wurde Woodward von seiner Gattin Ann aus Versehen erschossen. Sie beging später mit den beiden Söhnen Selbstmord. Das 2600-Quadratmeter-Anwesen fiel dem Town Club zu, einen verstaubten Herrenclub, der in erster Linie für seine Bridge-Turniere bekannt war. Der Club ging jedoch im März 2001 mangels Mitgliedern pleite. Das Haus stand leer - bis es John Paulson 2004 entdeckte und für 14,7 Millionen Dollar kaufte.

Seitdem wohnt der Finanzjongleur an der begehrten Ecke von Fifth Avenue und 86th Street unweit des Metropolitan Museums. Der Hedgefonds-Manager, der durch clevere Spekulationen während der Finanzkrise ein Privatvermögen von fast 16 Milliarden Dollar angehäuft hat, passte sich nahtlos in die VIP-Enklave Upper East Side ein, wo Menschen wie Medienzar Rupert Murdoch und Jamie Dimon, der Chef der Großbank JP Morgan Chase, zu seinen betuchten Nachbarn zählen. Doch die Idylle in der feinen Gegend wurde zuletzt empfindlich gestört. Am Dienstag zogen Hunderte Demonstranten grölend an den Villen vorbei. Die Aktivisten von Occupy-Wall-Street (siehe Bild), die seit Mitte September ein Areal nahe der Wall Street besetzt halten, hatten Kapitalismus-Kritiker zu einem "Stadtrundgang" aufgerufen.

"Ihr wurdet gerettet", skandierten die Demonstranten. "Wir wurden verraten!" Für Paulson, an dessen Haus der Wutmarsch endete, hatten sie ein besonderes Geschenk parat: Unter den Augen zweier Cops legten sie ihm einen überdimensionalen "Scheck" über fünf Milliarden Dollar auf die Treppe. Verwendungszweck: "Steuerabschlag." Die Ironie der Situation war den meisten Demonstranten wohl kaum bewusst. Fünf Milliarden Dollar - das ist fast genau die Summe, die Paulson gerade dringend bräuchte. Nicht, dass der Mann am Hungertuch nagen würde. Auf der aktuellen "Forbes"-Liste der reichsten Amerikaner belegt der 56-Jährige den 15. Platz - und rangiert damit vor Erfolgsinvestor George Soros und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Doch der als erfolgreichster Spekulant der Welt bekannt gewordene Finanzmanager hat sich verzockt. Seine Fondsgruppe Paulson & Co. verlor in diesem Jahr mindestens sechs Milliarden Dollar, manche munkeln sogar von acht Milliarden Dollar. Damit wären von den rund 38 Milliarden Dollar, die Paulson zu Jahresbeginn managte, heute allenfalls noch 30 Milliarden Dollar übrig. Und fast die Hälfte davon ist Paulsons eigenes Geld.

Es ist eine Blamage für den einstigen Wunderknaben, an dem Negativ-Schlagzeilen abzuprallen schienen. Selbst seine zentrale Rolle im Betrugsskandal um Goldman Sachs schien ihm nicht zu schaden. Seinen großen Reichtum verdankt er der Finanzkrise: Er witterte sie früh, schwieg aber und wettete auf den Crash. Als dieser kam, kassierte Paulson ab.

Doch in der aktuellen Krise hat ihn offenbar sein Gespür verlassen. Und darum saß Paulson zur gleichen Zeit, als die Anti-Wall-Street-Aktivisten an seinem Haus vorbeizogen, in seinem Büro im 50. Stock eines Wolkenkratzers und mühte sich um Schadensbegrenzung. Eine Stunde und zehn Minuten lang besänftigte er in einer Telefonkonferenz seine Investoren. Sein kleinlautes - und für ihn seltenes - Eingeständnis: "Wir haben einen Fehler gemacht." Paulsons größter Irrtum war sein Optimismus: Er hatte auf eine Erholung der US-Konjunktur gesetzt. "Wir sind begeistert über die Aussichten für unsere Fonds", hatte er noch im Januar in einem Brief an Anleger getönt. Vor allem die US-Steuerpolitik werde "ein zusätzlicher Auslöser für höheres Wachstum in 2011 sein". Er werde die Fonds entsprechend positionieren.

Aus dem Aufschwung wurde bekanntlich nichts - und Paulsons Fonds schmierten ab. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Wirtschaftsmedien gab sein Vorzeigefonds Advantage Plus allein im September 19,4 Prozent ab, seit Jahresbeginn verlor er sogar um 46,7 Prozent. Vergleichbare Konkurrenz-Fonds gaben im selben Zeitraum nur um rund fünf Prozent nach. Auch die restlichen Paulson-Portfolios litten. Sein Gold-Fonds, bisher eine sichere Anlage, rauschte im September um 16,4 Prozent ab. Der Verfall fiel heftiger aus als beim Goldpreis selbst (minus 11 Prozent). Denn Paulsons Gold-Fonds investierte nicht nur in das Edelmetall, sondern auch in Minengesellschaften, die derzeit mit Problemen kämpfen.

Paulsons Konjunktur-Fonds fuhr ebenfalls zweistellige Verluste ein: mehr als 14 Prozent im September, 31 Prozent seit Jahresbeginn. Seine Investitionen in Großbanken wie Citigroup und Bank of America erwiesen sich als ebenso ungeschickt wie der Einstieg ins Holzunternehmen Sino-Forest in Hongkong. Es geriet unter den Verdacht des Bilanzbetrugs. Paulson stieß seine Anteile im Sommer wieder ab, was ihn rund 720 Millionen Dollar kostete. Auch damals musste er seine Klienten am Telefon beruhigen.

Die US-Medien begleiten Paulsons Absturz mit Häme. Die "New York Times" nannte seine Lage "traumatisch". Das "Wall Street Journal" schrieb: "Ein schlechtes Jahr für Paulson wurde noch schlechter." Branchenrivalen sollen sich bereits für Notverkäufe in Stellung gebracht haben. Trotz seiner verfahrenen Lage knöpfte sich Paulson noch die Demonstranten vor, die an seiner Villa vorbeizogen. Die reichsten New Yorker zahlten mehr als 40 Prozent der gesamten Einkommensteuer in der Stadt, belehrte er sie in einem offenen Brief. "Das verschafft jedem in unserer Stadt enorme Vorteile." Es sei unfair, die Reichen zu "verunglimpfen". Die Demonstranten scherten sich wenig darum. Auf ihrem Weg durch das Nobelviertel skandierten sie: "Milliardäre, eure Zeit ist abgelaufen!"

Quelle: Spiegel Online

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Mittwoch, 21. September 2011

Börsendebakel der Erneuerbaren

Der seit fast drei Jahren andauernde Abwärtstrend bei den Aktien von Unternehmen aus der Branche der erneuerbaren Energien hält weiter an. Das weltweite Börsenbarometer der Branche, der RENIXX World, hat im Tagesverlauf des 20.09.2011 die Marke von 320 Punkten unterschritten und damit seit Jahresbeginn 2011 über 40 Prozent verloren, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit.

"Der Reaktorunfall in Fukushima im März hat nur ein kurzes Strohfeuer ausgelöst, danach ging es mit den Kursen weiter bergab", sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster. Seit dem Höchstkurs im Jahr 2007 mit 1918,7 Punkten hat der RENIXX World bereits um über 80 Prozent nachgegeben.

Besonders unter Druck geraten sind Aktien von chinesischen Solar- und Windenergieunternehmen mit Abschlägen von teilweise über 70 Prozent. Aber auch die drei im RENIXX gelisteten deutschen Unternehmen centrotherm photovoltaics, Nordex und SolarWorld können sich dem Negativtrend nicht entziehen.

RENIXX-Kursverlauf online: http://www.iwr.de/renixx-online

Quelle: Solarserver

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Dienstag, 13. September 2011

Übel sieht es aus!

Der grüne Aktien-Index RENIXX World ist gemäss der Zeitschrift «photovoltaik» seit Jahresbeginn um 40 Prozent gefallen. Derzeit verlieren Yingli und REC unter den Solar-Werten besonders stark.

Der internationale Aktienindex für erneuerbare Energien RENIXX World ist mit starken Verlusten in die neue Handelswoche gestartet, wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) meldet. Der Index gab gestern um 3,03 Prozent (-10,10 Punkte) nach, der Schlusskurs betrug 323,69 Punkte. Im Tagesverlauf gestern fiel der RENIXX am Vormittag steil ab, konnte sich am Nachmittag aber wieder etwas erholen. Seit Jahresbeginn ist der Index damit drastisch eingebrochen, um knapp 40 Prozent.

Größter Verlierer ist die Aktie des chinesischen integrierten Solarkonzerns Yingli
mit einem Kursminus von 10,2 Prozent auf 3,01 Euro. Damit rutscht das Wertpapier in die Nähe des Allzeittiefs von November 2008 (2,10 Euro). Die Aktie des Sponsors vom Fußball-Bundesligisten Bayern München wird seit Juni 2007 gehandelt und notierte Ende 2007 bei über 25 Euro. Ein weiterer Verlierer ist das norwegische Solarunternehmen REC (-7,6 Prozent 0,97 Euro) und der US-Solarausrüster GT Advanced Technologies (-7,2 Prozent, 7,89 Euro). Die REC-Aktie hat damit auf dem tiefsten Stand seit dem Börsengang in 2006 geschlossen. Im August hatte der Hersteller von Silizium, Wafern, Zellen und Modulen mitgeteilt, dass ein zuvor beschlossener Produktionsstopp in europäischen Fabriken verlängert werden muss.
First Solar legen gegen den Trend zu

Positiv und gegen den allgemeinen Börsentrend fiel First Solar auf. So verbesserten sich die Aktien des US-Dünnschichtmodul-Produzenten um 1,5 Prozent auf 61,89 Euro. Damit ist sie der einzige RENIXX-Titel, der zulegen kann. In der vergangenen Woche punktete First Solar mit einem 100 Megawatt-Auftrag aus Indien. Leicht verbessert zeigt sich der RENIXX zu Beginn des heutigen Handels mit einem Zuwachs von bislang 0,4 Prozent gegen 8.30 Uhr. Gefragt sind dabei Yingli, die so einen Teil der gestrigen Verluste ausgleichen können, sowie Solarworld und LDK Solar.

Quelle: photovoltaik - Birthe Bruhns

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Mittwoch, 24. August 2011

«Good Bank» für Österreich

In Österreich entsteht eine „Demokratische Bank“. Die Gründer wollen den Umgang mit Geld neu definieren. Mit günstigen Krediten und Gratiskonto soll das Finanzinstitut 2012 auf den Markt gehen. In einem zweiteiligen Beitrag beleuchtet ECOreporter.de die Hintergründe und Motive der Gründer.

Banken sind spätestens seit der Finanzmarktkrise keine Institutionen, denen das Vertrauen entgegenfliegt. Die Menschen regen sich auf – und bleiben Bank-Kunden. Christian Felber, Publizist und Mitbegründer der Globalisierungsgegner von Attac Österreich (siehe Bild), will mehrere Schritte weiter gehen: Er will eine eigene Bank. Als der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann 2008 „Bad Banks“ forderte, um „systemrelevante“ Banken zu schützen, als wenig später tatsächlich Staatsgeld Zocker-Banken rettete, forderte er: „Ein anderes Bankwesen ist nötig und auch möglich.“ Ab Februar 2009 konstruierte er an einer „Good Bank“. Die soll nun Demokratische Bank heißen. Die erste Phase ist durchstanden, sie diente der Selbstfindung. Im Februar 2011 lag ein Zehn-Punkte-„Visionspapier“ vor; es ist die Basis für die eigentliche Gründungsarbeit, in der Geschäftspläne und Strategien entstehen sollen. Die sollen dann an die Finanzmarktaufsicht gehen. Schon Ende 2012 soll die Demokratische Bank dann mit Zweigstellen in allen neun Bundesländern ihren Betrieb aufnehmen.

Zuvor gilt es, das gesetzlich geforderte Gründungskapital von fünf Millionen Euro auf zubringen, um eine Bankkonzession zu erlangen. Anleger können ab 1.000 Euro Teilhaber werden; das Gründungs- und Stammkapital wird auf einem Treuhandkonto eingezahlt. Das Stimmrecht im späteren Geschäftsprozess soll nicht von der Höhe des Gründungskapitals abhängen - ein Kopf, – eine Stimme, so die demokratische Devise. Sie wird mit der genossenschaftlichen Rechtsform der Bank einhergehen.

Entscheidungen sollen im Konsens getroffen werden. Wer die Bank leitet, darf nicht das Ergebnis einer Hinterzimmer-Diskussion werden – es gibt ein Wahlverfahren, damit die Gemeinschaft der Bankeigner mitbestimmen kann. Gewählte Mitarbeiter sollen auch wieder abwählbar sein. Demokratie ist eine Gesellschaftsform, ein politisches System, eine Regierungsvoraussetzung in Demokratischen Staaten. Ist sie kompatibel mit einem Bankbetrieb, der in einer Marktwirtschaft im Wettbewerb steht? Felber, der Visionär der „Demokratischen Bank“, sieht keinen Widerspruch: „Gerade die Trennvorstellung von Politik und Wirtschaft ist Kern des Problems unseres Wirtschafts- und Finanzsystems. Kooperation und Empathie, Dialoge im großen Kreis und wertschätzende Kommunikation und Menschenrechte gehören in Wirtschaft wie Politik.“ Und er fragt rhetorisch: „Oder sind nur in der Politik alle Menschen gleich viel wert, und in der Wirtschaft gilt das Recht des Stärkeren?“

Eine Wirtschaft mit Gemeinwohl im Sinn sei nicht nur seine Vision oder die der 100 ehrenamtlich tätigen Gründungsmitglieder der Bank, so Felber. Und dann zitiert er Artikel 151 der Verfassung – allerdings der bayerischen: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesondere die Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle“, zitieren sie. Nach diesem Grundsatz müssten Banken und das Geldsystem neu organisiert werden, so Felber. Die Kerngeschäfte der Banken sollten sich auf die Versorgung der Wirtschaft mit günstigen Krediten beschränken, die aus den eingesammelten Ersparnissen der Kunden stammten.

Quelle: www.ecoreporter.de

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Montag, 15. August 2011

Ecoreporter erhält Umweltpreis

Das deutsche Finanz-Nachhaltigkeitsportal ist mit Texten gelegentlich auch auf Vorsorgemedia vertreten. Nun erhält dessen umtriebiger Chefredakteur Jörg Weber einen der bedeutendsten deutschen Umweltpreise. Gratulation!

Ecoreporter verdanken wir seit bald zwei Jahrzehnten fundierte Analysen über Firmen, die sich der Nachhaltigkeit verschreiben. Aber auch die in den Wirtschaftsmedien sonst so seltenen gesellschaftlichen Bezüge und Branchenüberblicke zählen zu den Stärken von Ecoreporter.

Jörg Weber, Chefredakteur von ECOreporter.de (siehe Bild), erhält für dieses breite Wirken nun den B.A.U.M.-Umweltpreis. Damit zeichnet der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. seit 1993 „langjähriges herausragendes Engagement für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung“ in verschiedenen Kategorien aus. Die Preisverleihung erfolgt durch Umweltminister Norbert Röttgen und Hamburgs Ersten Bürgermeister Scholz am 23. September. Zu den diesjährigen Preisträger des B.A.U.M.-Umweltpreises gehören laut den Initiatoren unter anderem Harry J. M. Brouwer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Unilever Deutschland, Österreich und Schweiz und Prof. Dr. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Hertie School of Governance.

Weber erhält den B.A.U.M.-Umweltpreis in der Kategorie ‚Medien‘. Die Initiatoren begründen seine Auszeichnung folgendermaßen: „Mit dem Internet-Portal ECOreporter sowie dem gleichnamigen Magazin hat Jörg Weber die erste Informations-Plattform für nachhaltige Geldanlagen geschaffen, die das komplexe Themenfeld "grünes Geld" allgemein verständlich und spannend aufbereitet sowie Handlungsmöglichkeiten für das eigene Leben zeigt. Er hat ganz entscheidend dazu beigetragen, dass die Frage "Was passiert mit meinem Geld?" für Anleger zunehmend selbstverständlich wird, und sich hierdurch um die Stärkung des Nachhaltigkeitsgedankens in der Wirtschaft verdient gemacht.“

Die diesjährige Preisverleihung am 23. September 2011 ist in die zweitägige B.A.U.M.-Jahrestagung eingebettet, die im Rahmen von "Hamburg Umwelthauptstadt Europas 2011" am 22. und 23. September in der Hansestadt stattfindet.

Quelle: Ecoreporter / © Vorsorgemedia

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Mittwoch, 10. August 2011

Wohin mit dem Geld?

An den Börsen geht es derzeit wild zu. Kleinanleger sollten wissen, was sie wollen, schreibt die Website der deutschen Zeitschrift «Zeit». Die Analyse ergänzt den AVB-Tipp 6 von Vorsorgemedia.

Es fing am Morgen verhalten an, aber dann geriet doch alles ins Rutschen. Selbst so renommierte Unternehmen wie BMW, Daimler, MAN, RWE oder VW traf es hart. Der Deutsche Aktienindex rutschte um mehr als fünf Prozent unter 6.000 Punkte. Am Dienstag verlor er zeitweise weitere sieben Prozent, holte dann aber wieder auf. In den USA, in Südamerika, in Asien oszillierten die Kurse ähnlich heftig. Die Märkte sind nervös. Vorsichtig ausgedrückt.

Privatanleger fragen sich da: Sollen sie alles verkaufen und Verluste begrenzen? Oder gerade jetzt einsteigen? Einfache Antworten gibt es nicht. Wer Aktien hält, reagiert anders als jemand, der bisher Bares besaß und dieses nun anlegen will. Wer gerne kurzfristig auf einzelne Papiere spekuliert oder bald eine große Summe Geld braucht, denkt über die Tumulte anders als einer, der an langfristige Trends glaubt und auf seine Altersvorsorge erst in 30 Jahren zurückgreifen muss.

Zunächst sollte sich jeder fragen: Will ich aus den Tumulten Profit schlagen, will ich mein Vermögen nur erhalten – oder will ich allein auf Sicherheit achten? Wichtig ist auch der Zeithorizont. Wer sich den Dax ansieht, erkennt, dass dieser, als er Ende 2008 auf dem Stand von heute war, binnen Monaten noch tiefer fiel – Gefahr! Er sieht aber auch, dass der Dax sich dann binnen zwei Jahren wieder dem Höchststand vor der Krise näherte – Chancen! Es kommt auf die Perspektive an.

Entsprechend sollte sich jeder überlegen, welche Szenarien er mittelfristig für wahrscheinlicher hält: Glaubt er an ein anhaltendes Wirtschaftswachstum in Deutschland – oder fürchtet er zum Beispiel ein Zerbrechen der Euro-Zone, was massive Probleme für die hiesigen Unternehmen nach sich zöge? Glaubt er der Europäischen Zentralbank, die ein dauerhaftes Ansteigen der Inflationsrate über den Zielwert von zwei Prozent glaubt verhindern zu können – oder hält er für realistischer, was Thomas Mayer, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank erwartet, nämlich dass Europa seine Schuldenlast mithilfe eines Anstiegs der Preissteigerungsrate, »sagen wir so auf fünf Prozent«, abtragen werde? Teilt er die Ansicht der Commerzbank, Amerika lege eine »Wachstumpause« ein – oder glaubt er, dass die USA erneut in eine Rezession rutschen?

Immer gilt es, das Vermögen über mehrere Anlageklassen zu streuen.
Wie ein Anleger es verteilt, sollte er eher von seiner generellen Risikoneigung abhängig machen als von tagesaktuellen Entwicklungen. Mehr Risiko kann mehr Rendite, aber immer auch mehr Verluste bedeuten. Klassische Anlagen lassen sich dabei in aller Regel viel leichter verkaufen als exotische Produkte, für die es oft nur einen kleinen Markt gibt.

Wer es sicher mag, dem ist derzeit mit Spareinlagen geholfen, mit Giro-, Tages- oder Festgeldkonten – am besten bei Instituten, die der deutschen Einlagensicherung unterliegen. Zwar ist es möglich, dass die aktuellen Zinsen von, je nach Kategorie, 2 oder 3 Prozent von der Inflation aufgefressen werden. Diese lag zuletzt bei 2,4 Prozent. Doch Vermögen zu erhalten ist schon mal etwas. Sinngemäss gilt das auch für die Schweiz, die zwar eine tiefere Inflation kennt, aber auch tiefere Sparzinsen, die derzeit um den Wert von rund 1 Prozent oszilieren.

Wer Aktien oder Aktienfonds besitzt, muss überlegen, ob er mit Einbrüchen beim Wirtschaftswachstum und bei den Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen rechnet. Wer auch mittelfristig Gefahren sieht, sollte über einen Verkauf nachdenken. Wer eher an eine vorübergehende Delle glaubt und die milliardenstarken Rücklagen vieler Konzerne bedenkt, mag gelassen bleiben. Prinzipiell zählen Aktien zu den Sachwerten, sie sichern dem Anleger Anteile an realen Unternehmen mit Maschinen, Produkten, Patenten und Immobilien. Konzerne wie die Allianz, BASF oder Siemens gibt es seit mehr als 100 Jahren, sie haben Kriege und Krisen überstanden. Aktien und auch Anleihen solch stabiler Unternehmen bieten eine gewisse Sicherheit, gerade langfristig.

Gold näherte sich am Wochenanfang der Rekordmarke von 1.800 Dollar je Feinunze.
Wer bereits Krügerrand oder Barren gekauft hat, kann sich freuen, jeder andere muss überlegen, ob er noch zuschlagen will. Gold ist rar, weltweit handelbar, wirft aber weder Zinsen noch Dividenden ab, sein Preis lebt von der Nachfrage. Beruhigt sich die politische Lage, könnten »sinkende Kurse verzeichnet werden«, warnt zum Beispiel die NordLB. Allerdings hielten bereits im vergangenen Jahr viele das Ende des Höhenflugs für gekommen – und irrten. Zahlreiche Experten glauben heute an einen weiteren Anstieg. Unabhängig davon scheint es ratsam, nur einen Teil seines Geldes in Gold zu stecken.

Und »Betongold«? Ein Haus, eine Wohnung, das sei etwas Reales, Sicheres, denken Anleger gerne. Viele übersehen da leicht eherne Regeln, deren wichtigste lautet: Lage! Lage! Lage! Ein Werterhalt ist keineswegs garantiert. Ein Haus ist nicht 400.000 Euro wert, nur weil man einmal 400.000 Euro dafür bezahlt hat. Der Wert einer Immobilie richtet sich nach der Qualität, den Investitionen in den Erhalt – und der Nachfrage. Wer sich in eine Gegend einkauft, aus der Firmen und Menschen wegziehen, wird sein Geld bei einem Verkauf kaum wiedersehen. In begehrten Stadtvierteln Hamburgs oder beliebten Regionen wie dem Großraum München steigen die Preise, sind Wertsteigerungen möglich, aber wie repräsentativ sind sie für den deutschen Immobilienmarkt?

Bleiben Anlagen, die für den Kleinanleger eher exotisch sind: Währungen wie der Schweizer Franken oder der japanische Yen, Aktien oder Anleihen aus Schwellenländern, Rohstoffe. Hier sind die Signale gemischt: Der Franken legt kräftig zu, das Wachstum in Schwellenländern könnte hingegen wie in China nachlassen, entsprechend auch die Nachfrage nach Rohstoffen.

Zudem sind derlei Anlagen besonders anfällig für irrationale Entwicklungen, die weniger mit Fundamentaldaten als mit den Eigenheiten moderner Märkte zu tun haben. Da sind technische Gründe für Verkäufe, etwa das Durchbrechen von Preismarken. Da ist die große Bedeutung, die Computern heute im Handel zukommt. Und da sind Herdentrieb oder der Zwang, sich Cash besorgen zu müssen, um besorgte Anleger auszuzahlen. In diesem schlimmsten aller Fälle verkaufen institutionelle Investoren ohne Rücksicht auf die Folgen. So war es Ende 2008. Erreichen die Märkte dieses Stadium, bleibt dem Kleinanleger wohl nur eines – Ruhe bewahren.

Quelle: Zeit Online

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