Freitag, 29. Juni 2012

Das nahe Ende von New Value

Eine verheerende Bilanz für das Geschäftsjahr 2011/2012 hat die New Value AG aus Baar im schweizerischen Kanton Zug vorgelegt. Demnach schmolz der Substanzwert des Portfolios (Net Asset Value, kurz NAV) der auf Cleantech-Unternehmen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft von 52,6 Millionen im Vorjahr auf 15,2 Millionen Euro ein. 

Das entspricht einem Rückgang von 71 Prozent. Entsprechend brach der NAV je Aktie von 17,48 auf 4,91 Euro ein. Damit rutschte die New Value AG tief in die Verlustzone. Nach umgerechnet 8,3 Millionen Euro Verlust im Vorjahr wies das Unternehmen zum Bilanzstichtag 31. März 2012 nun 36,7 Millionen Euro Verlust aus. Der Verlust je Aktie stieg entsprechend auf 11,61 Euro.

Dieses „schlimmsten Jahr in der Geschichte der New Value AG“, wie die Unternehmensführung es selbst nannte, sei auf die unsicheren Transaktionen des ehemaligen Verwaltungsratschefs Rolf Wägli zurückzuführen gewesen, hieß es. Diese soll er ohne Wissen seiner Vorstandskollegen getätigt haben. Im Nachgang dazu hatte New Value Abschreibungen in Millionenhöhe bekannt gegeben. Ende März 2012 war der New-Value-Gründer  zurückgetreten, nachdem das Unternehmen eine Klage gegen ihn angestrengt hatte.

An die Schweizer Börse Swiss Exchange (SIX) aus Zürich muss die New Value AG wegen besagter Transaktionen umgerechnet knapp 21.000 Euro Strafe zahlen. Die Börse hatte im Zuge der Affäre um Rolf Wägli selbst eine Untersuchung wegen fehlerhafter Bilanzführung durchführen lassen und mehrere teils schwerwiegende Fehler im Jahresabschluss 2010/2011 und im Halbjahresabschluss 2011 festgestellt.

In den Handel der SIX startete die Aktie der New Value AG am Freitag mit 3,50 Schweizer Franken (2,91 Euro). Damit lag sie 14,6 Prozent unter ihrem Wert von vor einem Monat. Im Vergleich zu ihrem Kurs vor einem Jahr verbilligte sich die Aktie um 70 Prozent.  

Quelle: ecoreporter.de

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Mittwoch, 2. Mai 2012

Praktischer Index für Immofonds

Die Swiss Funds Association SFA (SFA) lanciert den SFA-Anlagerenditeindikator (SFA ARI®) für börsenkotierte schweizerische Immobilienfonds. Damit wird erstmals die von den jeweiligen Fonds erwirtschaftete Anlagerendite anhand eines Indikators ersichtlich und vergleichbar.

Der SFA ARI® ist auf den Homepages der SFA und der Swiss Fund Data (SFD) abrufbar und
steht gemäss Medienmitteilung des Fondsverbands allen Interessierten kostenlos zur Verfügung. „Mit dieser Premiere in der Schweiz wollen wir die Transparenz im Immobilienfondsgeschäft und die Vergleichbarkeit der verschiedenen Fonds erhöhen sowie die Datengrundlage vereinheitlichen“, erklärt Martin Thommen, Präsident der SFA. „Der SFA ARI® stellt nicht auf die Börsenkurse ab, sondern zeigt die Wertentwicklung des Immobilienportefeuilles auf. Wir sind überzeugt, dass sich der neue Indikator als wichtige Benchmark der Immobilienfondsindustrie etablieren wird“, sagt Dr. Matthäus Den Otter, Geschäftsführer der SFA.

Für die Immobilienfondsbranche ist die Anlagerendite eine der wichtigsten Kennzahlen. Sie gibt
Auskunft über die Gesamtrendite des Immobilienfonds unter der Annahme, dass alle Ertrags-
und Kapitalausschüttungen zum Nettoinventarwert reinvestiert werden. Damit wird die
Veränderung des Nettoinventarwertes zwischen Anfang und Ende der Berichtsperiode
aufgezeigt. Die jährlichen Bewertungen der Immobilienportfolios werden mitberücksichtigt, d.h.
neben den realisierten Kapitalgewinnen oder -verlusten sind auch die nicht realisierten Gewinne
oder Verluste eingerechnet. Kursausschläge an der Börse fallen nicht ins Gewicht. Dies
ermöglicht eine nachhaltigere Einschätzung der Fondsentwicklung als über die Börsenkurse.

Um die effektive Rendite auf Produktstufe der börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds un-
tereinander vergleichbar zu machen, beschloss die SFA auf Anregung ihres Fachausschusses
„Immobilienfonds“, einen Indikator zu lancieren, der sich auf die Anlagerenditekennzahl stützt
und vierteljährlich
(jeweils Mitte Januar, April, Juli, Oktober) von der SFD auf Grundlage der
jeweiligen Jahresberichte berechnet wird. Das Fondsuniversum bilden sämtliche an der SIX
Swiss Exchange kotierten Immobilienfonds, welche direkte Immobilienanlagen in der Schweiz
tätigen mit ausschliesslichem Investitionsland Schweiz. Fund of Funds oder
Schweizer Fonds, die direkt im Ausland investieren, sind damit ausgeschlossen.

Kontakt:
Dr. Matthäus Den Otter, Geschäftsführer Swiss Funds Association SFA, Tel. 061 278 98 00

Hinweis: 
Der SFA ARI® wird auf den Webseiten der SFD (www.swissfunddata.ch) und der SFA (www.sfa.ch) publiziert – inklusive Reglement und kurzer Erläuterung. 

Quelle: Schweizerischer Fondsverband

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Dienstag, 17. April 2012

Hilfe – Anlagenotstand!

Die Ratlosigkeit ist derzeit gross, wie man denn nun Geld investieren, ein Vermögen aufbauen und Vorsorge betreiben soll. Wer das selbst erledigen will, braucht unter anderem Zeit und Geduld. Ersteres wie bei einem Autokauf, für den häufig mehr Zeit aufgewendet wird als für die an sich viel wichtigere Geldanlage. Und Geduld, weil anders als beim Autokauf Ergebnisse mitunter erst nach langer Zeit sichtbar werden.

Wie gross der Anlagenotstand ist, dokumentierte am Wochenende ein Beitrag der NZZ am Sonntag. Da wurden so exotische Finanzanlagen propagiert wie Risiken der Versicherungsindustrie (Cat Bonds) sowie Hedge-Funds (nachdem diese zugegebenermassen als grosse Verlierer der Finanzkrise gelten, in der einfacheren Art noch die Anleihen der Schwellenländer und solche privater Unternehmen. Der Anlagenotstand macht offenbar auch vor der Beratergilde nicht halt.
Was sicher richtig ist an der aktuellen Einschätzung der Finanzmärkte: Reine Geldwerte unterliegen künftig eher wieder einem Inflationsrisiko – denn hohe Schuldenberge wurden in der Geschichte noch meist weginflationiert. Nicht zuletzt die US-Schulden im Ausland, die durch die Dollarabwertung in den letzten Jahrzehnten ein x-faches an Wert eingebüsst haben. Für CH-AnlegerInnen folgt daraus als allererstes: Eine Geldanlage in fremder Währung gilt als eines der allergrössten Risiken überhaupt – denn zu möglichen Kursschwankungen gesellt sich das zusätzliche Risiko einer Abwertung. Womit viele der oben erwähnten und von der NZZ propagierten alternativen Anlagen obsolet sind. Im Vertrauen auf die finanzielle Stabilität der Schweiz ist die Anlage in Franken-Geldwerten demgegenüber immer noch eine valable Variante. Denn das Schweizer Finanzsystem scheint vergleichsweise wetterfest gegenüber inflationären Stürmen.

Ebenso richtig ist aber die Einschätzung, dass Sachwerte vor Inflation schützen und sich langfristig selbst nach Einbrüchen stets wieder erholen – mit Ausnahme der Firmenbeteiligung, die sich wegen einer Firmenpleite als wertlos erweist. Also rücken Aktien hiesiger Unternehmen wieder in den Fokus des Anlegerinteresses, mit Vorliebe solcher kleinerer und mittlerer Unternehmen, die nicht wie die Schwergewichte Novartis oder Nestlé ihr Potenzial zumindest weitgehend ausgereizt haben. Und klar: Anlagen in solche Firmen immer in einer genügend grossen Zahl oder eben vorzugsweise in Fonds. Daneben sind auch Rohstoffanlagen eine Variante, für weniger kundige AnlegerInnen auf jeden Fall nur die vier Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium – die alle in Form real hinterlegter ETF zu haben sind.
Aus ethischer wie auch aus anlagestrategischer Sicht kommen Rohstoffe des Lebensmittelsektors für eine Anlage nicht in Frage. Und mit einem (kleinen) Fuss im Ausland sind Aktienmärkte der Schwellenländer eine Empfehlung, denn es scheint klar, wo in Zukunft Wachstum in grösserem Stil überhaupt noch möglich ist – und Wachstum heisst eben immer auch steigende Unternehmenswerte.

Noch ein Wort zu den Fonds: So genannte Indexfonds oder auch Exchange Traded Funds (ETF) gelten allgemein als die sinnvollere Anlagevariante und sind heutzutage fast für alle Anlagebereich erhältlich. Ihre vielen Vorteile und gewisse Nachteile sind andernorts verzeichnet und es wird auf sie zurück zu kommen sein (siehe auch Vorsorgemedia vom 1. November 2010). Und so kann eine Strategie aussehen – mit gestaffelter Anlage (zeitlich und Bereiche):
  • Aktien
  • Aktienfonds Inland – Klein – und Mittelbetriebe, zb Vontobel, Swisscanto; auch ETF
  • Aktienfonds Schwellenländer – zb Carmignac
  • Aktienfonds Welt (ETF)
  • Obligationen
  • Rohstoffe wie Gold, Silber
  • Erwerb von selbst genutztem Immobilien-Eigentum (wohl der aktuell risikoreichste, da teuerste Bereich für einen Einstieg)
  • aktuell durchaus genügend Bargeld zu freier Verfügung trotz niedriger Zinssätze
  • Sparkonten und Kassenobligationen bei Banken mit weit gehendem EinlegerInnenschutz oder jeweils nur bis 100'000 CHF
  • Weiterführen oder neu beginnen mit Sparen Säule 3a oder wo möglich steuerfreie Einzahlung in die 2. Säule
  • Spezielle Direktanlagen gemäss eigenen Prioritäten
  • Mikrofinanzanlagen bei Oikocredit, Responsability o.ä.
  • Solaranlagenbeteiligungen, zb ADEV
  • Ökokredite an ABS

Unter der nach wie vor zahlreichen Fachliteratur ragen in Bezug auf eine kritische wie ebenso verständliche Darstellung die folgenden heraus:
  • Dirk Müller: «Crashkurs – Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance» Wie Sie das Beste aus Ihrem Geld machen (Knaur Verlag 2010)
  • Max Otte: «Investieren statt Sparen» Wie man mit Aktien ein Vermögen aufbaut (Ullstein Verlag 2009)
  • Daneben sei der zweimonatlich erscheinende Ratgeber K-Geld empfohlen (K-Tipp-Verlag) – mit regelmässig publizierten Zahlenreihen zu Zinserträgen, Hypozinsen und den besten Fonds je Anlagebereich.
© Solarmedia

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Dienstag, 10. April 2012

Rentenalter 65 bleibt möglich

Die Frage nach dem verkraftbaren Rentenalter wird die Schweiz in den nächsten Jahren beschäftigen. Der abtretende Direktor des Bundesamts für Sozialversicherung, Yves Rossier, ist der Ansicht, dass das Alter 65 weiterhin möglich ist.

Je nach Art der Massnahmen könnte das Rentenalter in der Schweiz bei 65 Jahren bleiben. Dieser Auffassung ist der abtretende Direktor des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV) Yves Rossier. «Unser Sozialsystem ist kerngesund.» In einem am Dienstag veröffentlichten Interview im «Tages- Anzeiger» und im «Bund» räumt Rossier ein, dass es für die Beibehaltung des Rentenalters 65 zusätzliche Einnahmen bräuchte. Dafür gebe es nur drei zuverlässige Quellen: Lohnbeiträge, Konsumsteuern und die Bundeskasse. «Alle anderen Quellen sind eher Kuriositäten, so etwa die Casino-Steuer.»

AHV-Schreckensszenarien haben ihren Ursprung laut Rossier im Umstand, das «wir nicht wissen, wie es in 20 Jahren sein wird». Aber: «Es gibt keinen Grund, Angst zu haben.» Die Zukunft sei zwar immer noch unsicher, «doch unser Sozialsystem ist kerngesund». Es gebe kein anderes OECD-Land, in dem die Sozialversicherungen so gut dastünden. Wohl zeichneten sich für das nächste Jahrzehnt auch in der Schweiz Probleme ab, sagte Rossier. «Aber die Griechen, Engländer, Iren oder Spanier haben bereits heute ein Problem und kürzen die Leistungen zum Teil massiv.» In der Schweiz würden die Massnahmen jedoch weder auf der Leistungs- noch auf der Einnahmenseite so drastisch sein.

Zur zweiten Säule sagte Rossier, früher habe es zwar eine Periode gegeben, in welcher der Umwandlungssatz bei 7,2 Prozent lag und es 4 Prozent Zins gab. «Aber wir hatten 5 bis 7 Prozent Inflation.» Heute gebe es zwar nur noch 1,7 Prozent Zins, aber die Inflation liege unter 1 Prozent. «Also sind die Erträge heute höher als in den goldenen Zeiten.» Auf die Frage, ob die künftigen Rentner nur mit einem Teilzeitjob über die Runden kommen würden, sagte Rossier, das hänge von den Erwartungen an den Lebensstandard ab. Er finde es richtig, wenn man auch mit 65 noch etwas arbeite, wenn man dazu in der Lage sei.

Schon heute arbeite rund ein Drittel der 65- bis 70-Jährigen. «Niemand tut das, weil er sonst verhungern würde, sondern um sich einen bestimmten Lebensstandard zu leisten.» Gleichzeitig sei das ein Segen für den Sozialstaat, weil diese Leute auch weiterhin Sozialbeiträge zahlten. Zum flexiblen Rentenalter sagte Rossier, dass das BSV verschiedene Modelle ausgearbeitet habe. Am schwierigsten sei die Differenzierung nach Berufsgruppen, weil die Abgrenzung heikel sei. «Bisher fehlt jedoch der Konsens, dass man bei der AHV überhaupt etwas machen muss.» Rossier ist seit 2004 BSV-Direktor. Am 1. Mai wird er Staatssekretär im Departement für auswärtige Angelegenheiten. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt.

Quelle: SDA

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Samstag, 31. März 2012

Nachhaltige Anleihen

Haben Anleihen nachhaltiger Unternehmen ein geringeres Kreditrisiko als nicht-nachhaltige? Die Nachhaltigkeitsanalysten der Bank Sarasin & Cie AG gehen in ihrem Faktenpapier "Sustainability Spotlight" zum Thema nachhaltige Unternehmensanleihen dieser Frage nach. Eine einfache Vergleichsberechnung der Bank kommt zum Schluss, dass die Risikoprämien von nachhaltigen Emittenten während der Finanzkrise deutlich tiefer zeichneten.

Im Gegensatz zu Aktien steht bei Investitionen in Anleihen mehr die Risikoperspektive als die Rendite im Vordergrund. Doch gibt es hierzu nur wenige statistische Analysen; keine gibt es bis anhin für den Nachhaltigkeitsansatz der Bank Sarasin. Jetzt wurde ein erster Schritt unternommen und eine einfache Analyse der Risikoprämien von Unternehmensanleihen aus dem Universum der von der Bank Sarasin bewerteten Unternehmen zwischen Januar 2006 und September 2011 durchgeführt. Dabei zeigte sich folgendes Muster: In der Finanzkrise haben sich die Credit Default Swaps (CDS, Kreditausfallversicherungen) der nachhaltigen Unternehmen besser halten können. Dieser Risikoprämienvorteil blieb in den meisten Wirtschaftssektoren bis 2011 bestehen; die nachhaltigen Unternehmen profitierten von geringeren Risikoprämien.

Mit einer einfachen Vergleichsberechnung kann nicht sicher beantwortet werden, ob die Prämiendifferenzen auf Nachhaltigkeitsaspekte oder auf andere, rein finanzielle Faktoren zurückzuführen sind. Sie bestätigt aber dennoch das Ergebnis der bisherigen wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen mit Finanzmodellen, welche die Risikoprämien aus mehreren Faktoren erklären: Diese Analysen deuten mehrheitlich darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsanalyse Anlegern in Unternehmensanleihen eine Reduktion von Verlustrisiken ermöglicht. Es sind zum Thema aber sicherlich noch weitergehende Untersuchungen erforderlich, um die bisherigen, eher spärlichen Ergebnisse zu erhärten.

Das Faktenpapier "Nachhaltigkeit reduziert Risiken von Unternehmensanleihen"
(Autor: Dr. Eckhard Plinke) ist in deutscher und englischer Sprache gratis erhältlich bei: media@sarasin.ch

Quelle: Bank Sarasin

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Sonntag, 18. März 2012

Eben doch Aktien

Der Spiegel bringt es auf den Punkt - Oldtimer, Bordeaux, Briefmarken: Aus Angst vor Inflation scheint keine Geldanlage zu exotisch, auch Immobilien sind derzeit sehr gefragt. Doch bei vielen Sachwerten entstehen neue Spekulationsblasen, sagen Experten. Den besten Schutz könnte am Ende die gute, alte Aktie bieten.

Reale Werte sind im Moment sehr beliebt - daran wird Peter Reichel jeden Tag erinnert. Aus den Räumen der Privatbank Berenberg schaut er über die Alster auf den feinen Hamburger Stadtteil Uhlenhorst. Dort sind die Immobilienpreise 2011 nach den jüngsten Zahlen eines Maklers um satte 19,6 Prozent gestiegen. Reichel ist bei Berenberg Chef der privaten Vermögensverwaltung. Seine sehr wohlhabende, konservativ agierende Klientel präferiert sichere Anleihen - deshalb muss sie sich mit weitaus geringeren Renditen zufriedengeben, in der Regel weniger als zwei Prozent. Das reicht nicht einmal, um die Inflation von 2,3 Prozent auszugleichen: Der Vermögenswert wird Stück für Stück aufgezehrt.

Vor Aktien schrecken viele von Reichels Anlegern zurück. Ihnen steckt der jüngste Börsencrash noch in den Knochen. Dabei haben viele private und institutionelle Anleger Cash im Überfluss. "Die Investoren sitzen auf einer hohen Liquidität", beobachtet Reichel, "es kommen enorme Summen rein, die angelegt werden müssen." Nur wie? Im Rentenbereich finde er kaum noch interessante Chancen, meint der Anlage-Stratege und gesteht: "Wir können die Flucht in Sachwerte teilweise nachvollziehen." Gemälde, Oldtimer, Briefmarken, Weine, Diamanten, Gold und natürlich Immobilien - die Furcht vor einer drohenden Inflation, das Misstrauen gegenüber der Krisenwährung Euro und der Wunsch nach Vermögenserhalt treibt Sparer in Anlageklassen, die jahrelang ein Schattendasein führten und von den Profis bisher nur als "Beimischung" im Portfolio genutzt wurden.

Nun stellen sich immer mehr vermögende Anleger einen schicken Ferrari in die Garage oder lagern Tausende Flaschen teuren Bordeaux im Keller, in der Hoffnung, die Luxusgüter später zu höheren Preisen weiterverkaufen zu können. Berenberg hat auf diesen Trend längst reagiert und die Tochtergesellschaft Art Advice gegründet. Erfahrene Experten bieten der reichen Klientel umfängliche Hilfe beim Aufbau einer eigenen Kunstsammlung, sie beraten beim Einkauf edler Weine und kennen sich mit "Classic Cars" aus.

Doch ist das Szenario von einer galoppierenden Inflation tatsächlich realistisch? Sind nicht viele angeblich inflationsfeste Sachwerte wie Immobilien oder Gold ebenfalls längst überbewertet? Drohen hier neue Spekulationsblasen zu platzen? Sicher, der ökonomische Grundsatz, dass zu viel Geld die Inflation treibt, ist nicht aufgehoben. Und spätestens seit der italienische EZB-Präsident Mario Draghi die "Dicke Bertha" herausholte und europäischen Banken rund eine Billion Euro zu extrem günstigen Zinsen bereitstellte, werden auch professionelle Betrachter nervös.

Zwar parke das Geld noch zwischen den Geschäftsbanken und der Europäischen Zentralbank, meint DWS-Chefökonom Johannes Müller. Doch wenn die Liquidität ihren Weg in die reale Wirtschaft zu Unternehmen und Konsumenten fände, dann werde es für die Zentralbanker sehr schwer, diese Summen wieder einzusammeln: "Ich sehe zwar kein Horrorszenario à la Weimar, doch eine Inflationsrate zwischen fünf und sieben Prozent schließe ich für die kommenden Jahre nicht aus." Exogene Schocks wie ein Krieg zwischen Israel und Iran und die in der Folge steigenden Ölpreise könnten ein Auslöser sein.

Ähnliche Sorgen macht sich Johannes Reich, Partner der Frankfurter Privatbank Metzler. Wenn das EZB-Geld von den Geschäftsbanken über Kredite zu den Konsumenten und den Unternehmen gelange, sei die Gefahr erheblich, dass die Inflation anspringe, da die Geldmenge dann schneller wachse als die Produktivität: "Die wichtigste Frage ist, wo die Überschussliquidität hingeht. Wo entsteht die nächste Blase?" Die ist möglicherweise längst da. "Im Immobilienbereich haben wir bereits deutliche Preiserhöhungen gesehen," meint Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank. Bestimmt nicht jedes Objekt könne in zwei, drei Jahren zu den Einstandspreisen von heute verkauft werden. Eine paradoxe Situation: Gerade weil Anleger verhindern wollen, dass die Inflation ihr Vermögen verringert, investieren sie möglicherweise in Anlageklassen, in denen noch größere Verluste drohen. Schickentanz rät Anlegern, die sich vor Inflation schützen wollen, deshalb eher zu Anleihen, die in nordeuropäischen Währungen notieren oder auch in australischen oder kanadischen Dollar.

Auch den starken Anstieg des Goldpreises sehen die Geldprofis als Vorboten einer inflationären Entwicklung. "Mit sämtlichen Goldreserven auf der Welt könnte ich ExxonMobile sowie alle Ländereien der USA kaufen," sagt DWS-Aktienstratege Henning Gebhardt und hält diese Entwicklung für "ungesund". Womöglich sollten Anleger, die sich vor inflationären Entwicklungen schützen wollen, ihre Scheu vor dem Aktienmarkt ablegen. Denn auch Aktien zählen zu den Realwerten. Sie bündeln das Produktiv- und Kreativvermögen eines Unternehmens und bieten damit begrenzten Schutz vor Inflation. Gebhardt rät daher zu Titeln aus der Nahrungsmittelindustrie wie etwa Nestlé oder Coca Cola . Diese Konzerne könnten die Preiserhöhungen an ihre Kunden weiterreichen, hätten eine gute Bilanz, ordentliche Wachstumschancen und verkauften ihre Produkte weltweit. Weniger Chancen sieht er für die Autoindustrie, die höhere Preise nicht mal eben auf ihre Kunden abwälzen könne.

Dieser Anlagestil erinnert an Investments des legendären US-Milliardärs Warren Buffett. Kürzlich lästerte der gegenüber dem Wirtschaftssender CNBC über den hohen Goldpreis: "Gold hat wirklich keinen Nutzen. Ich setze lieber auf einen guten Produktionsbetrieb." Buffett sieht sich mit diesem Investmentstil gegen die drohende Inflation gewappnet. Denn dass die Preise wegen des hohen US-Defizits und der laschen Geldpolitik der US-Zentralbank bald kräftig steigen werden, hält der Anlage-Guru und bekennende Zyniker für ausgemacht: "Das ist so, als ob Sie aus einem 50-stöckigen Gebäude springen. Während der ersten 45 Stockwerke verändert sich nicht viel. Aber dann schlägt man brutal auf."

Quelle: Spiegel Online

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Mittwoch, 1. Februar 2012

Nachhaltigkeit von Ländern

Über die Entwicklung der Finanzratings der Staaten im Euroraum, aber auch der USA wurde in den vergangenen Monaten heftig diskutiert. Vor allem nachhaltigkeitsorientierte Investoren sind davon überzeugt, dass die klassischen Finanzratings die Fähigkeit der Staaten, ihren Verpflichtungen aus der Emission von Staatsanleihen nachzukommen, nur unzureichend widerspiegeln.

Die zusätzliche Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsratings, die die sozialen und ökologischen Verhältnisse in den Staaten bewerten, ermöglicht eine fundiertere Einschätzung der Bonität der Staaten. Im aktuellen Länderrating der Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research scheitern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien ebenso an der oekom Prime Schwelle wie die USA. Die ersten Plätze nehmen Norwegen, Schweden und Dänemark ein, Deutschland landet auf Platz 6.

Insgesamt 51 Staaten sowie die Europäische Union hat oekom research im Hinblick auf deren soziale und ökologische Zukunftsfähigkeit analysiert. Bewertet wurden unter anderem der Stand der Meinungs- und Pressefreiheit, die Investitionen in Bildung und moderne Infrastruktur sowie der Energiemix und der Umgang mit dem Klimawandel. Norwegen und Schweden konnten ihre Spitzenplätze verteidigen, Dänemark hat sich im Vergleich zum Vorjahr von Rang 9 auf Rang 3 verbessert. Ursache hierfür sind vor allem Verbesserungen im Umweltbereich, beispielsweise beim Klimaschutz und beim Energiemix. Österreich rangiert auf Platz 5 gefolgt von Deutschland auf Platz 6. Ebenso wie diese Länder erreichen auch die Schweiz, Großbritannien und Frankreich den oekom Prime Status, mit dem insgesamt 21 Staaten ausgezeichnet wurden. Er wird an Staaten vergeben, die den strengen von oekom research definierten Mindestanforderungen an eine verantwortungsvolle Gestaltung des politischen und gesellschaftlichen Systems genügen.

Den oekom Prime Status verpasst haben dagegen die südeuropäischen Krisenstaaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. „Griechenland hat bereits schlechte Bewertungen in unserem Nachhaltigkeitsrating erhalten, als konventionelle Ratingagenturen hier noch Noten im A-Bereich verteilt haben,“ stellt Oliver Rüter, Research Director bei oekom research, fest. „Bei Investoren, die sich in der Vergangenheit am Nachhaltigkeitsrating orientiert haben, liegen heute keine griechischen Staatsanleihen im Depot.“

Die USA landen auf Rang 44. Viele der Hoffnungen, die mit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama verbunden waren, haben sich nicht erfüllt. So verweigern die USA nach wie vor einen konstruktiven Beitrag zum internationalen Klimaschutz und der Verbrauch an Energie und Ressourcen ist unverändert hoch. Die wachsenden Einkommensunterschiede führen zu sozialen Spannungen in der Gesellschaft, wie beispielsweise die Proteste der Occupy-Bewegung an der Wallstreet zeigen.

„Staaten, die in Bildung investieren, die die Erforschung und Entwicklung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz fördern und ihren Bürgern Zugang zu modernen Informations- und Kommunikationsmedien verschaffen, legen damit die Grundlagen für eine positive wirtschaftliche Entwicklung des Landes,“ erläutert Oliver Rüter die Aussagekraft des Nachhaltigkeitsratings. Von ebenso hoher Bedeutung sind die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Eine pluralistische Gesellschaft, in der die Bürger- und Menschenrechte, Presse- und Meinungsfreiheit umfassend gewährleistet sind und in der alle Bürger den Zugang zu staatlichen Leistungen unabhängig von ihrer Fähigkeit haben, Bestechungsgelder zu zahlen, findet in Krisensituationen andere Mechanismen der Konfliktlösung als Staaten, in denen diese Rechte eingeschränkt sind. Dies alles sind Faktoren, die sich positiv auf Leistungsfähigkeit eines Staates auswirken und damit auf deren Bonität.

Das Länderrating von oekom research umfasst die OECD-Mitglieder sowie die wichtigsten Schwellenländer. Es dient in erster Linie Investoren und Finanzdienstleistern als Entscheidungsgrundlage für nachhaltige Kapitalanlagen. Die Rating-Agentur oekom research führt die Untersuchung jährlich durch und beleuchtet dabei 150 ökologische und soziale Analysekriterien. Ein Ausschnitt aus dem Ranking des Länderratings von oekom research ergibt folgendes Bild:

1 Norwegen
2 Schweden
3 Dänemark
4 Finnland
5 Österreich
6 Deutschland
10 Schweiz
15 Europäische Union
17 Großbritannien
21 Frankreich
27 Italien
36 Brasilien
44 USA
51 Südafrika
52 Indien

Quelle: oekonews.at

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